Google-Reviews mit Wirkung

Susanne Kapfinger, Ökonomin und Leiterin Redaktion AWP Soziale Sicherheit

Vermögensverwalter müssen sich auf neue Kundenbedürfnisse vorbereiten. In den kommenden Jahren werden Babyboomer grosse Vermögen an jüngere Generationen weitergeben. Mit der veränderten Kundendemografie werden Finanzdienstleister wie Banken  oder Versicherungen ihre traditionellen Modelle überdenken müssen. Denn die neue Investorengeneration hat komplexe Bedürfnisse, wie eine Studie des Beratungsunternehmens PwC zeigt.

 

Komplizierte Kundenprofile

Der Generationenwechsel zählt laut der Umfrage zur grössten Herausforderung für die Finanzbranche – mehr als etwa der regulatorische Druck oder die KI-getriebene digitale Transformation. Die neuen Kundengenerationen verlangen digitale Angebote, wertebasierte Anlagestrategien und grenzüberschreitende Investment-Lösungen, die individuell zugeschnitten sind. Um sich darauf vorzubereiten, arbeiten Vermögensverwalter zunehmend mit Personas beziehungsweise psychografischen Profilen.

 

Ein solches Profil heisst HENRY 2.0 (High Earner Not Rich Yet). Dahinter steckt eine technikaffine besserverdienende Kundschaft, die technologiegestützte Investment-Lösungen sucht. Für den langfristigen Vermögensaufbau nutzt sie traditionelle als auch alternative Anlagen wie Kryptowährungen und Risikokapital. Ein weiteres Kundenprofil bilden beruflich erfolgreiche Frauen, die sich durch wertebasiertes Investieren finanzielle Unabhängigkeit sichern wollen. Aber auch gut verdienende, international mobile Fach- und Führungskräfte, die grenzüberschreitende Strategien benötigen, bilden eine Kategorie für sich. Hinzu kommen nachhaltige Anlegerinnen und Anleger, die Wert auf ESG-Strategien legen oder Lifestyle-orientierte Investorinnen und Investoren, die persönliche Ziele wie Frühpensionierung, Unternehmertum oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anstreben.

 

Ausserhalb von Traditionen

Finanzdienstleister werden vermehrt Investitionsangebote in Private Equity anbieten müssen. Zwei Drittel der befragten Vermögensverwalter halten diese Kategorie in den nächsten zwei bis drei Jahren sogar für eine der wichtigsten Anlageformen. An Bedeutung gewinnt auch Private Debt – die Anlageklasse verspricht unter unsicheren Marktbedingungen stetige Erträge. Danach folgen Investitionen in Infrastruktur oder Kryptowährungen. Krypto und andere digitale Vermögenswerte werden in diesem Jahr durch die Ankündigungen der Trump-Administration (siehe Seite 2) vermehrt in den Fokus der Investoren rücken. 

 

Die Macht von Google-Reviews

Die neue Kundengeneration muss ernst genommen werden. Denn sie verfügt über ein machtvolles Instrument ihrer Unzufriedenheit, Ausdruck zu verleihen: Google-Reviews. Sie bieten die Möglichkeit, Erfahrungen ungefiltert mit der Öffentlichkeit zu teilen. Laut «hypt Report – Banking 2025», der in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz erstellt wurde, vertrauen 97 Prozent der Konsumierenden auf Online-Bewertungen. Besonders die Generationen Z und Alpha geben bei der Wahl einer Bank Google-Reviews den ersten Impuls. Das kann auch auf Anbieter von Vorsorgelösungen übertragen werden. 

 

Dabei können negative Rezensionen schnell zum Albtraum der Finanzdienstleisterin werden: Bereits eine einzige negative Bewertung kann laut Studie bis zu 22 Prozent der potenziellen Kundinnen abschrecken. Steigen die negativen Rezensionen auf drei, erhöht sich dieser Wert sogar auf 59 Prozent. Es lohnt sich nicht nur für Restaurantbesitzer, aber auch für Finanzdienstleister ihre Google-Reviews zu überprüfen.